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Hochbegabung – Unsere Erfahrung: Frühzeitige Einschulung & Klassensprung

Nachdem ich im Januar den ersten Beitrag zu meiner Hochbegabung Beitragsreihe geschrieben habe, wurde ich daraufhin öfters gefragt, was ich von frühzeitiger Einschulung und Klassensprung halte. Und welche der beiden Möglichkeiten ich bevorzugen würde. Da wir tatsächlich beides durch haben – unser ältester Sohn hat eine Klasse übersprungen und die beiden „Kleinen“ wurden frühzeitig eingeschult – möchte ich euch heute hier ein wenig von unsereren Erfahrungen erzählen.

Klassensprung – Hochbegabung bei Kinder

Schon früh kamen bei uns Überlegungen auf, ob wir unseren ältesten Sohn frühzeitig einschulen sollten. Denn schon im Alter von 3 Jahren schnappte er sich Bücher aus dem Bücherregal und tippte diese am PC ab. Oder er malte hochkomplexe (jedenfalls für sein Alter) Rollenspiele auf Papier und kreirte sehr präzise Spielregeln dazu. Mir bzw. uns war also schnell klar, dass wir es da mit einem kleinen Pfiffikus zu tun hatten.

Trotzdem kam für uns nie eine frühzeitige Einschulung in Frage. Nicht für ihn. Denn auch wenn er sich oft viel zu viel Gedanken um Dinge machte und er die Buchstaben bereits beherrschte, vom Wesen war er noch total ein Kindergartenkind. Wir spürten einfach, dass er noch nicht so weit war. Auch langweilte er sich nicht beim Spielen und genoss den Kindergarten noch in vollen Zügen.

Hochbegabung - Unsere Erfahrung: Frühzeitige Einschulung & Klassensprung

Und so wurde unser Großer ganz normal mit 6 Jahren eingeschult. Was dann jedoch in der ersten Klasse folgte, kam für uns eher unerwartet. Plötzlich zählte er wieder an Fingern ab, rechnete einfache Aufgaben total falsch und machte auch sonst in der Schule eher einen überforderten Eindruck. Zuhause hingegen war er nach wie vor kreativ und sehr begabt (bis auf die Zahlen, das „An-Fingern-abzähl“ Verhalten führte er auch Zuhause fort). Wir brauchten nicht lange, um zu erkennen, dass er versuchte, sich anzupassen und das alles eher Ausdrücke von Unterforderung als Überforderung darstellten. Da er jedoch noch immer im sozialen und kommunikativen Bereich eher schwach war, wollten wir für uns die 100% Sicherheit haben, dass wenn wir ihn springen lassen und ihn damit dann einem neuen sozialen Gefüge aussetzen würden (für mich war immer klar, dass der soziale Bereich der Knackpunkt für einen guten Sprung sein würde und nicht der Schulstoff, der ihm fehlt), dass er es von den Leistungen her es schaffen kann / könnte. So entschieden wir uns in seinem Fall für einen IQ Test. Der brachte uns nicht nur Sicherheit, sondern machte sich auch gut bei der weiteren Kommunikationen mit Schule und Co. Amtliche Testergebnisse sind halt immer noch die beste Argumentationsgrundlage.

Wie erwartet – und doch eigentlich nicht – fiel das Ergebnis des IQ Testes dann aus. Erwartet, da hochbegabt… und doch eigentlich nicht erwartet… da unser Sohn in einem Begabungsbereich war, der selbst uns erstaunen lies. Nicht nur hochbegabt, sondern höchstbegabt.

Es war also klar, er muss springen. Und so liessen wir einfach die zweite Klasse aus. Von der ersten Klasse ging es für ihn nach den Sommerferien direkt in die dritte Klasse.

Und was dann folgte war einfach nur verdammt viel Glück. Denn ich möchte eines jetzt schon vorweg nehmen, großer Fan vom Überspringen bin ich nicht. Wir hätten es auch nie in Erwägung gezogen, hätten wir nicht gesehen, wie unser Kind unter der Unterforderung in der ersten Klasse gelitten hatte.

Warum aber sprach ich von „Glück“? Nun ja, unser Sohn kam in eine Klasse, die zuvor große Probleme mit der Klassenlehrerin hatte und daher nicht sehr weit im Schulstoff fortgeschritten war. Diese Klasse bekam zum 3. Schuljahr nun eine neue, tolle Lehrerin. Sie hatte viel aufzuarbeiten mit der Klasse, war jedoch in der Lage, das so umzusetzen, dass die Kinder nicht durch den Lernstoff hetzten. Und so war der Übergang von der 1. zur 3. Klasse gar nicht so schlimm. Auch verlangte die Deutschlehrerin z.B. nicht sofort ein Schreibschriftbild. Ihr lag mehr daran, dass die Kinder ihre Schrift entdeckten. Im großen und Ganzen war der Sprung daher absolut easy. Und da der Klassenzusammenhalt in seiner neuen Klassen allgemein nicht so toll war, versuchte die Lehrerin zudem viel, um eine gute Klassengemeinschaft zu bilden. So war auch das soziale Thema viel weniger problematisch als erwartet und das gesamte Klassensprung Thema lief für uns mehr als positiv.

Hochbegabung - Unsere Erfahrung: Frühzeitige Einschulung & Klassensprung

Frühzeitige Einschulung – Hochbegabte Kinder

Unsere beiden Jüngsten hingegen sind vom Typ her ganz anders als der Große. Sozial haben sie absolut keine Probleme und auch das Selbstbewusstsein ist – zumindestens nach außen tragend – viel ausgeprägter. Mit der Erfahrung aus der Problematik in der ersten Klasse von unserem Großen, entschieden wir uns bei beiden Jüngeren für eine frühzeitige Einschulung. Wobei der Mittlere als fast normales „Kann-Kind „eingeschult wurde (er wurde im November 6) und nur unsere kleine Maus wirklich sehr früh die Schule besuchte, sie wurde erst im späten Verlauf der ersten Klasse 6.

Bei beiden Kindern war es absolut die richtige Entscheidung gewesen. Auch wenn sie nicht getestet sind, bin ich mir sicher, dass beide hochbegabt sind. Ich werde sie auch gar nicht testen lassen, wozu auch? Mir ist wichtig, dass die Kinder gerne zur Schule gehen und Spaß haben. Ich muss nicht wissen wie gut sie sind, es hilft uns nicht weiter, da wir die Werte nicht benötigen um Argumentationshilfen bei der Schule zu haben, bzw. um uns (wie bei unserem Großen) einfach sicher zu sein, bevor wir unserem Kind eine für ihn stressigen Situation auszusetzen. Wobei ich glaube, dass sie an den IQ des Großen nicht heran kommen, insbesondere nicht an die Verteilung. Denn die ist bei unserem Ältesten in allen Säulen fast gleich stark. Die „Kleineren“ hingegen haben eine besondere logische, mathematische Begabung. Sprachen z.B. fallen unserem Mittleren viel schwerer als dem Großen und das obwohl wir zweisprachig erziehen. Aber das ist ja auch nicht weiter schlimm. Mir fällt Deutsch auch nicht so leicht und in der Schule habe ich z.B. Sprachen gehasst :D. Hätte mir mal jemand zu der Zeit gesagt, dass ich meine Kinder zweisprachig erziehe, ich hätte ihm wohl einen Vogel gezeigt :).

Rechnen konnten die beiden Kleinen bereits vor der Schule auf erstem bzw. unserer Mittlerer sogar auf zweitem / drittem Schuljahr Niveau. Beide Kindern durften auch schon vorzeitig den Vorschulunterricht besuchen, wofür ich der Kindergärtnerin sehr dankbar war und bin. Auch sie hatte (durch Zufall hatten die 2 „Kleinen“ beide die gleiche Erzieherin, auch wenn sie zeitversetzt in der Kindergartengruppe waren) mich immer bestärkt in dem frühzeitigen Einschulungswunsch für meine Kinder.

Ganz klar ist für uns der Weg frühzeitige Einschulung auch der bessere Weg von beiden Möglichkeiten. Die Kinder müssen sich nicht in eine bestehende Gemeinschaft eingliedern, sondern haben genauso wie ihre Klassenkameraden die Problematik des Neuanfangs. Auf der sozialen Ebene ist das in meinen Augen perfekt. Zudem bleibt das Lernen von Schulstoff da, wo es hingehört: in der Schule (Hausaufgaben jetzt mal ausgenommen). Als Elternteil kommt man nicht in die Zwickmühle zwischen Elternsein und Hilfslehrer (denn beim Klassensprung sind es meist wir, die Eltern, die den Kindern den fehlenden Schulstoff beibringen müssen). Denn das kann tatsächlich zu Spannungen führen. Eltern sollten da sein um die Kinder vom Schulstress aufzufangen, sie sollten Ihnen Halt und Zuspruch geben. Wenn man aber als Elternteil auch die Lehrerrolle übernehmen muss, kann das Zuhause zu unschönen Situationen führen. Denn dann kann manchmal der Lernfrust auf die Eltern projekziert werden.

Hochbegabung - Unsere Erfahrung: Frühzeitige Einschulung & Klassensprung

Die frühzeitige Einschulung ist für uns auch im Nachhinein der beste Weg, den wir wählen konnten. Beide „Kleinen“ gehören zu den Klassenbesten. Zudem haben sie Freunde und sind Teil der Klassengemeinschaft. Schwierigkeiten, die man auf die frühzeitige Einschulung schieben könnte, gab es nie. Auch wenn sie meistens die Jüngsten in ihrer Klasse sind :). Dank ihrer Größe fällt das aber ehrlich gesagt niemanden auf :).

Zusammenfassung: Vorteile & Nachteile von Klassensprung / frühzeitige Einschulung bei hochbegabten Kindern – unsere Erfahrungen

Man kann nicht pauschal sagen, welcher Weg der bessere ist, für uns war es die frühzeitige Einschulung. Aber es hängt ganz viel von der Schule ab, vom Kindergarten und vom sozialen Umfeld der Kinder. Die für uns wichtigsten Punkte habe ich für euch einfach einmal in einer kleinen Grafik zusammen gefasst. Gerne dürft ihr sie abspeichern, teilen etc. Falls euch weitere, wichtige Punkte auffallen, die ich noch mit aufnehmen sollte, lasst doch einfach einen Kommentar da :). Ich freue mich jederzeit über Hinweise und Tipps.

Klassensprung oder Einschulung - Hochbegabung Kinder

Buchempfehlungen zum Thema: Zu intelligent, um glücklich zu sein?: Was es heißt, hochbegabt zu sein * oder Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung: Ein Ratgeber für Fachpersonen und Betroffene * oder Hochbegabt – und trotzdem glücklich *

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2 thoughts on “Hochbegabung – Unsere Erfahrung: Frühzeitige Einschulung & Klassensprung

  1. Prima, dass ihr für alle Kinder einen guten Weg gefunden habt. Insgesamt ist beides in meinen Augen jedoch keine Dauerlösung. Das Problem oder eher die Probleme von hochbegabten Kindern in der Schule, lösen sich dadurch ja nicht. Auch nach einem Sprung oder einer frühen Einschulung lernen sie noch schneller als die meisten Mitschüler.

    1. Liebe Lena,

      danke für dein Kommentar :). Meine Erfahrung ist ein wenig anders als deine. Die Probleme können sich dadurch schon lösen, bzw. zumindestens vereinfachen. Kinder die durch Unterforderung die Lust am Lernen verlieren, werden es immer in der Schule schwer haben. Weil Motivation einfach sehr, sehr wichtig ist. Deshalb löst eine frühzeitige Einschulung / Klassensprung schon diese Problematik. Wobei ich dir aber Recht gebe, dass es sein kann, dass so ein Problem wieder auftaucht. Generell macht sich Hochbegabung aber nicht nur/ hauptsächlich durch schnelleres Lernen bemerkbar, sondern durch die Auffassungsmöglichkeit und das komplexe Denken. Und gerade in den ersten Klassen in der Grundschule kann es für ein hochbegabtes Kind sehr schwer werden, da diese Bereiche… also komplexes Denken etc… noch wenig gefragt sind. Kann dann ein Kind schon vor der Schule Rechnen und/ oder Schreiben, ist Langeweile vorprogammiert…. und damit entsteht schnell eine Unlust auf die Schule. Umso höher die Klassen werden, umso komplexer können Unterrichtthemen werden. Und Kinder haben mehr Möglichkeiten für sich die Dinge auch tiefgründiger anzugehen. Selbst wenn die Schule diese nur oberflächlich abhandelt. Mit zunehmenden Alter kann man zudem auch Kinder eher für Dinge außerhalb der Schule begeistern, selbst wenn also der Schulstoff schnell langweilig wird, können Kinder dann außerhalb der Schule ihren Wissensdurst stillen. Und gegen einen weiteren Klassensprung gibt es ja auch nichts einzuwenden :).
      Eine wirklich schöne Lösung wird es wohl nie geben. Vieles hängt zudem wirklich vom Lehrer ab. Bei uns gab es z.B. in der 3 un 4. Klasse auch noch differenzierte Aufgaben. Jedes Kind konnte für die Woche entscheiden ob es leicht, mittel oder schwer angeht.
      Ob ich mein Kind auf eine besondere Schule für hochbegabte Kinder geschickt hätte? Nein. Das wäre für uns keine Lösung für unseren Sohn gewesen. Für Viele ist es aber vielleicht genau das was sie brauchen. Ich glaube, man muss wirklich jedes Kind ganz individuell betrachten und analysieren.

      Noch mal ganz lieben Dank für dein Kommentar
      Christiane

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