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Hochbegabung – Wie mein neuer Job mir half, mein hochbegabtes Kind besser zu verstehen.

In meinem letzten Beitrag zum Thema Hochbegabung „Meine Jobsuche als Hochbegabte …“ hatte ich es ja bereits erwähnt: Mein neuer Job hat dazu beigetragen, dass ich meine Kinder – insbesondere meinen einen Sohn – noch ein bisschen besser verstehe als zuvor. Zwar konnten wir schon vorher von dem Vorteil profitieren, dass ich ihn aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen sehr gut durchschauen und einordnen kann (Das fällt mir vielleicht leichter, als einer Mama, die vor der HB Diagnose ihrer Kindern noch keine Berührungspunkte zu Hochbegabung hatte), aber auch ich habe Ende letzten Jahres noch einmal viel dazu gelernt.

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Unser Sohn – der nicht nur hochbegabt, sondern von seinen Werten her sogar höchstbegabt ist – ist keines dieser Kinder, dem man seine Hochbegabung sofort ansieht oder anmerkt (Mehr dazu auch in meinem Beitrag von 2017: Hochbegabt – Das macht doch glücklich). Einsen bringt er zwar nach Hause, aber genauso kann es auch mal eine Vier sein. Wer sein Zeugnis sieht, der wird wahrscheinlich nicht gleich darauf kommen, dass dies das Zeugnis eines Hochbegabten ist. Lediglich vielleicht das Geburtsdatum würde einen stutzig werden lassen, denn all unsere Kinder sind die Jüngsten in ihrer Klasse (wegen Klassensprung oder frühzeitiger Einschulung, zu diesen Themen demnächst auch mehr hier im Blog).

Aber wie half mir nun mein neuer Job mein hochbegabtes Kind besser zu verstehen?

In der ersten Woche wurde ich auf der Arbeit mit vielen Dingen konfrontiert, die ich so seit Jahren nicht mehr erlebt hatte. Das waren zum größten Teil Sachen, mit denen mein Sohn jeden Tag zu „kämpfen“ bzw. zu tun hat. Ich hatte sozusagen einen kleinen Perspektivenwechsel. Die 4 Punkte, die mir in dieser Zeit am meisten aufgefallen sind, habe ich einmal für euch zusammen gefasst:

1. Viel neues Wissen, das auf einen einprasselt.

Gerade bei einer Arbeit im Support oder der Entwicklung eines Softwareproduktes empfinde ich es so, dass man bei jedem neuen Arbeitgeber fast wieder bei Null anfängt. Denn keine Software gleicht der Anderen, man muss sich immer neu in Vieles hinein denken. Auch wenn die Werkzeuge, die man dafür verwendet, natürlich die gleichen bleiben. Das ist übrigens auch einer der Hauptgründe, warum ich wieder in den Software Bereich wollte: Ich wusste, ich kann schnell komplexe Dinge verstehen, und im Software Bereich fällt es nicht so sehr ins Gewicht, dass ich lange Zeit aus der Arbeitsroutine heraus war. Erlernen muss man eine neue Software immer von Neuem. Jedenfalls gab es eine Menge an Informationen, und die musste ich natürlich verarbeiten und einsortieren. Ich als Erwachsene bin in der Lage, mich zu fokussieren und zu entscheiden, was ich gerade angehe, für ein Kind stelle ich mir das aber äußerst schwierig vor. Selbst mir fiel das nicht leicht (und ich war nach der Arbeit sowas von hundemüde…. bin in der ersten Woche teilweise um 18.00 Uhr ins Bett), für ein Kind muss das echt schwer bis unmöglich sein. Das man da manchmal einfach überreagiert in der Schule, für mich jetzt umso verständlicher.

2. Aus Problem 1 resultiert Problem 2…. das Selektieren.

Ich habe tatsächlich damit zu tun gehabt, dass man mich schonen wollte :). An sich eine tolle Sache. Selten habe ich so eine tolle Einarbeitung erlebt. Aber… und jetzt kommt das Aber. Mir liegt immer sehr viel daran, dass ich das große Ganze verstehe. Nur dann kann ich auch die logischen Zusammenhänge erkennen und Abläufe verstehen. Jedoch wollte man mich nicht überfordern und so wurde ich Schritt für Schritt an die neue Software bzw. Software Familie herangeführt. Eigentlich ja perfekt. So kommt es nicht zu Überforderung. Nur für mich war es nicht der beste Weg. Aber, und das wurde mir bewusst, ist das etwas, was mein Sohn immer in der Schule erlebt. Ich konnte ja wenigstens noch sagen, ich würde gerne mehr zu diesem und zu jenem wissen. Aber ein Schüler muss es so lernen, wie ein Lehrer es für richtig hält. Sein Potential kann er gar nicht entfalten und wird sich immer nur – was das Wissen betrifft – in einem abgesteckten Bereich bewegen können.

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3. Was mir aber mit am Schwersten fiel: Fachbegriffe.

Ich bin kein Freund von Fachausdrücken & Fachbegriffen :). Tatsächlich finde ich Menschen, die zu viel Fachtermina verwenden – also in einem unnötigen Rahmen – unsympathisch. Wenn Menschen zu viele Fachwörter nutzen, wirkt das für mich oft von oben herab. Als wenn man andere Anwesende von einer Unterhaltung ausgrenzen will. Ich bevorzuge lieber eine Sprache, die viele verstehen und nachvollziehen können. Nun ist es aber nun mal, gerade in einem Fachgebiet, nicht möglich, auf Fachsprache zu verzichten. Einfach, damit alle in einem Team sich auch verstehen, müssen viele Dinge festgelegt sein. Und das fällt mir tatsächlich schwer. Dinge in der richtigen „Form“ auszusprechen. Meine Kinder haben in der Schule mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen. Denn wenn es dort nicht so wiedergegeben wird, wie es vorher festgelegt wurde, führt das oft zu Minuspunkten. Obwohl ersichtlich ist, dass der Prozess als Ganzes verstanden wurde.

4. Und zu guter Letzt, kommt mit den 3. Punkt einher, mein größtes Manko: Der Lösungsweg

Das war mir vorher gar nicht so bewusst, wenn ich ehrlich bin. Denn ich habe im Bereich Webdesign ja immer meinen Kunden das Endergebnis präsentiert. Wieso, weshalb, warum und wie ich dahin gekommen bin, das war in den letzten Jahren nie von Wichtigkeit. Eben weil ich nicht im Team, sondern alleine gearbeitet habe. Daher ist mir das nie so aufgefallen. Und das, obwohl das eines der „Probleme“ ist, mit denen viele Hochbegabte zu kämpfen haben. Auch ganz besonders mein Sohn. Lösungswege abbilden ist etwas, was uns Hochbegabten sehr oft so gar nicht liegt. Vieles läuft manchmal automatisch im Kopf ab und wir können das Endergebnis präsentieren. Zu erklären warum und wieso… wozu? In der Schule führt dieser „Tick“ sehr oft zu schlechten Noten. So wird in Mathe der Lösungsweg verlangt, wenn der nicht da steht, fehlen Punkte. Und das Schlimmste: Es muss in der Schule dann auch immer so stehen, wie der Lehrer es wünscht. À la: Eine Zeile frei lassen, Endergebnis unterstreichen. Lösungssatz schreiben. Vielen Hochbegabten erscheint das einfach unnötig. Sie haben die Lösung. Warum reicht das nicht? Tatsächlich hat das bei meinen Kindern schon oft zu schlechten Noten geführt. Natürlich versuche ich ihnen zu erklären, dass man sich an Regeln und Vorgaben zu halten hat. Aber ich kann auch gut verstehen, dass dies ihnen manchmal einfach unlogisch erscheint. Warum in etwas Mühe investieren, dass ihnen so glasklar erscheint. Ihnen ist einfach nicht bewusst, dass Andere ihnen nicht folgen können. Das Vielen das nicht so von der Hand geht.

Auch bisher habe ich immer sehr relaxt reagiert, wenn aufgrund von fehlenden Lösungswegen die Note schlechter ausgefallen ist, als sie hätte sein müssen. Aber seitdem ich nun wieder arbeite, weiß ich erst, wie schwer diese einfach erscheinende Aufgabe „Lösungsweg aufschreiben“ wirklich ist. So habe ich noch öfters Fragen zu einzelnen Themen und erwische mich dann immer wieder dabei, dass ich während der Frage nicht meinen Weg zur Problematik hin beschreibe, sondern immer nur direkt die Hürde in meinem Kopf anspreche. Oft fällt es mir während des Aussprechens auf und ich werfe dann am Ende hinterher etwas wie: Achja ich war da und da und habe das gemacht. Mich nervt das, weil ich gerne alles richtig mache… Aber andererseits kann ich so noch um einiges mehr verstehen, wie schwer so ein einfacher Lösungsweg meinen Kindern fallen muss, wenn ich schon als Erwachsener damit echt zu tun habe.

Hochbegabung - Wie mein neuer Job mir half, mein hochbegabtes Kind besser zu verstehen.

Und bevor jetzt der falsche Eindruck entsteht. Das waren wirklich nur 4 Randerscheinungen, die mir aber gerade in der ersten Woche besonders aufgefallen sind (Fehler und Probleme nehmen wir Hochbegabte besonders wahr, wir haben halt gerne alles im Griff und gut durchgeplant). Insgesamt hat mir mein Neuanfang, mein damit einhergehender Perspektivenwechsel, doch sehr geholfen, schulische Probleme meiner Kinder besser zu verstehen. Ich als Erwachsener habe mich schon gut im Griff, kann auf Erfahrungen zurückgreifen und weiß, wie ich Muster durchbrechen kann. Ein Kind hat noch nicht diese Kenntnisse. Von daher sollten wir alle immer verständnisvoll sein, wenn unsere Kinder nicht so rund im Schulsystem laufen. Egal warum. So ein Neustart, ob im Job oder z.B. der Umzug in eine neue Stadt kann da manchmal für uns Große ganz gut sein, da so einem diese alltäglichen Problematiken unser Kinder bewusster werden.

Buchempfehlungen – Thema Hochbegabung :

Zu intelligent, um glücklich zu sein?: Was es heißt, hochbegabt zu sein * oder Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung: Ein Ratgeber für Fachpersonen und Betroffene * oder Kluge Köpfe, krumme Wege?: Wie Hochbegabte den passenden Berufsweg finden *

* = Affiliate oder Werbe Link (Links die nicht mit * versehen sind verweisen auf persönliche Webseitenempfehlungen. Dies können auch Webshops etc. sein. Aber ich erhalte in diesem Fall keine Vergütung oder Ähnliches.).

2 thoughts on “Hochbegabung – Wie mein neuer Job mir half, mein hochbegabtes Kind besser zu verstehen.

  1. Hallo Christiane, ich bin über den 6K12B 2017 zu deinem Blog gekommen und verfolge ihn seit dem mit großem Interesse! Du zeigst sehr inspirierende Projekte und triffst oft „meinen“ Geschmack. Deine Berichte über Hochbegabung habe ich auch mit großem Interesse gelesen, deshalb wende ich mich heute auch mal mit einem Kommentar und einer Frage an Dich. Ich habe schon als Schüler den leisen Verdacht entwickel, dass ich in einigen Punkten „begabter“ bin als meine Mitschüler, habe dass aber nie überprüft oder bestätigen lassen. Deine Berichte über den Jobeinstieg und die Parallelen zu deinen Schulkindern treffen bei mir genau ins Schwarze. Das sind 1:1 meine Schulerfahrungen und seit dem 1.1. bin ich in einem neuen Job und kann deine Punkte voll unterstreichen! Jetzt zu meiner eigentlichen Frage. Für meine Älteste (im Sep. 6) steht im Sommer die Einschulung an, würdest du mir und ihr empfehlen uns im Vorfeld testen zu lassen um evtl. Problemen vorzubeugen bzw. Handlungsspielraum zu gewinnen? Und wenn ja, kannst du mir eine Anlaufstelle empfehlen um mich weiter zu Informieren bzw. einen Test anzustoßen?
    Vielen Dank schon einmal für deine Antwort! Und mach weiter so!
    Liebe Grüße
    sewhonk

    1. Liebe Sewhonk,

      vieln Dank für dein super liebes Kommentar.

      Es ist sehr schwer zu sagen, ob ein Test eine gute Idee ist oder nicht. Bei uns ist ja auch nur ein Kind getestet, die anderen Beiden nicht. Trotzdem glaube ich, dass auch die anderen 2 HB Kids sind. Ich werde demnächst ausführlich zum Thema Testung einen Beitrag schreiben, aber ich kann dir auf jedenfall so viel sagen, dass ich nicht unbedingt zu einer Testung raten würde. Wenn du denkst es ist wichtig für euch, damit ihr eure Position findet, euch besser versteht oder ihr z.b. große Probleme in der Schule habt und einfach ein „Papier in der Hand“ benötigt, um euch besser durch zu setzen, dann natürlich. Aber ich bin nach wie vor der Ansicht, dass Normalität das Gesundeste für Kinder ist. Auf der anderen Hand ist es wichtig, dass sie sich verstehen… das sie erkennen, das es vollkommen normal ist, nicht normal zu sein. Es ist wirklich ein sehr schwieriges Thema und ich versuche dabei ganz einfach meinem Mutterinstinkt zu folgen. Da du aber schreibst, dass du mich über die 6K12B gefunden hast. Ich kann die FB Gruppe „Hochbegabte Kinder kreativ & entspannt begleiten“ wirklich nur empfehlen. Da sind viele Mama’s von HB Kindern und man findet auch viele Tipps z.b. für die Suche von Teststellen. Denn die Wahl des richtigen Testers ist genauso wichtig wie die Wahl ob Testen ja oder nein. Ein Test beim falschen Tester kann zu einem vollkommen falschen Ergebnis führen. Bzw. vielleicht stimmt sogar das Ergebnis, aber es wird euch gar nicht richtig erläutert und ihr könnt damit am Ende gar nichts anfangen. Falls du nicht in die HB FB Gruppe kommen magst, kann ich dir sonst auch die Seite von https://www.dghk.de/ empfehlen. Auf deren Webseite findest du auch Links zu Regionalvereinen.

      Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiter helfen
      liebe Grüße
      Christiane

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