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Meine Jobsuche als Hochbegabte – Hochbegabung Erwachsene

Meine Jobsuche als Hochbegabte….

Puuh, ihr wisst gar nicht, wie lange ich überlegt habe, ob ich diesen Blog Beitrag wirklich verfasse & veröffentliche oder ob ich es lieber sein lassen sollte. Offen über meine Hochbegabung (oder die der Kinder) zu sprechen, fällt mir in vielen Fällen noch schwer. Zu groß die Befürchtung, dass Menschen, die mich nicht kennen und diesen Beitrag lesen, ihn vollkommen falsch verstehen und am Ende glauben, dass ich mich damit hervortun möchte.

Ich bin nicht die Einzige, die solche Überlegungen in sich hat. Viele hochbegabte Menschen reden nicht gerne über ihre Hochbegabung, denn sie führt oft zu falscher Missgunst. Das Trugbild, dass hochbegabte Menschen sich für etwas Besseres halten oder gar abwertend auf Andere schauen, ist weit verbreitet. Und genau das hat mich am Ende dazu bewogen, diese neue Beitragsreihe in meinen Blog aufzunehmen. Wie sonst sollen meine Kinder lernen, dass Hoch- & Höchstbegabung etwas ist, was sie nicht verstecken müssen. Dass man offen darüber reden kann. Und dass es, was ich ganz besonders wichtig finde: Nicht mehr oder weniger Besonders ist, als Anderes. Zudem empfinde ich es als wichtig, dass man mit sich im Reinen ist. Und daher gehe ich jetzt seit bereits 2 Jahren schon weitaus offener mit dem Thema um und möchte das in Zukunft noch verstärken.

Hochbegabung ist absolut nicht einfach und hochbegabte Menschen sind auch keine Alleswisser oder Wissensglänzer. Und nur weil jemand hochbegabt ist, muss er nicht gleich der perfekte Arbeiter sein. Ja, es gibt den Irrglauben, dass wenn ein hochbegabter Mensch etwas neues anfängt, er es auch gleich kann. Dass sie wandelnde Lexikas sind und auf jede Frage eine Antwort haben. Dem ist jedoch überhaupt nicht so.

Ich möchte euch gerne in meinen Beiträgen von den vielen Ängsten erzählen, den sozialen Problemen und dem falsch Verstehen. Dieser Beitrag wird ein Auftakt zu vielen weiteren Beiträgen sein (einen kleinen Einblick habe ich euch ja bereits in meinem Beitrag von 2017: Hochbegabt – das macht doch glücklich gegeben.).

Zurück aber zum Thema: Jobsuche als Hochbegabte.

Das Thema, bzw. der Beitrag brannte mir wirklich auf der Seele. Denn nach über 12 Jahren zu Hause als Mutter und nebengewerblich Selbstständige habe ich mich Ende 2018 zurück in ein Angestellten-Verhältnis begeben. Da ich nie aufgehört habe, mich zu hinterfragen und ich besonders seit dem Onlinekongress „Hochbegabte Kinder schlau und entspannt begleiten“ in 2017 mich auch selbst mehr analysiere, kann ich inzwischen genau definieren, was ich von einer Arbeitsstelle will & brauche und was meine Stärken & Schwächen sind.

Meine Jobsuche als Hochbegabte - Hochbegabung Erwachsene

Meine Jobsuche als Hochbegabte:

Meine Überlegung, wieder Arbeiten zu gehen, entwickelte sich langsam. Bei der Auswahl, wo ich mich bewerbe, ging ich zudem sehr selektiv vor. Ich habe nicht jeden Arbeitgeber angeschrieben, der etwas mit meiner IT -Ausbildung zu tun hat bzw. haben könnte (Ja ^^;, als Hochbegabte hat man nicht zwangsläufig studiert, sondern geht manchmal einfach den Weg, wo man glaubt es ist der Richtige für einen. Tatsächlich würde ich es auch immer wieder so machen. Die Ausbildung hat mir gerade im Bereich sozialer Fähigkeiten sehr viel gebracht. Während meiner 4 Semester BWL habe ich nicht annähernd soviel über das Arbeiten im Team gelernt, wie in meiner IT Ausbildung. Ich glaube wirklich, dass war das Beste, was ich für mich als hochbegabte Erwachsene machen konnte. Denn gerade im Sozialen haben viele Hochbegabte ganz, ganz große Probleme. Die Arbeit mit Anderen gestaltet sich dadurch sehr schwer und das macht dann auch uns am Ende oft Probleme und vermindert unsere Arbeitsleistung. Teamwork ist in so vielen Bereichen einfach so wichtig. Und wer dann Probleme und Ängste hat, mit anderen zu kommunizieren, kommt schnell an seine Leistungsgrenze.).

Vorüberlegungen zur Jobsuche als Hochbegabte Erwachsene

Ich habe mir vorher sehr viele Gedanken gemacht, was ich brauche, um bei einer Arbeit glücklich zu sein. Persönlich kann ich nur jedem empfehlen, sich dafür Zeit zu nehmen. Denn was bringt einem eine Arbeit, bei der man schnell den Arbeitseifer verliert oder die einem einfach nicht entspricht. Das kann dann am Ende dazu führen, dass kein positives Arbeitsergebnis dabei herum kommt. Wenn ich z.B. an meinen Sohn denke (der noch zur Schule geht, höchstbegabt): Ich kann noch so viele Stunden mit ihm an einem Thema sitzen und versuchen ihm zu helfen. Wenn er das Thema nicht mag, dann wird er bei einer Arbeit ungefähr 20% davon abrufen können und dementsprechend ist dann natürlich auch seine Note. Er kann das Wissen, das wir versucht haben zu lernen, einfach nicht greifen. Braucht er aber das gleiche Thema 8 Wochen später für etwas, wofür er brennt, dann ist wie verhext alles da, bzw. er braucht nur eine ganz kurze Auffrischung.

Das hat keineswegs etwas mit nicht wollen oder können zu tun, sondern ist meiner Ansicht nacht einfach eine Art Filter. Unbeabsichtigt definiert dieser, was er für wichtig und nicht wichtig erachtet. Bei der Fülle an Wissen, welches ein Hochbegabter aufnimmt – denn dass ist das große Plus, aber auch Minus an Hochbegabung – muss der Kopf einfach filtern.

Hochbegabte haben eine viel größere Auffassungsgabe. Die sehen nicht nur einen grauen Stein beim Vorbeigehen. Sondern können einem auch im Extremfall sagen (insbesondere wenn der Hochbegabte sich dafür interessiert), wie der Schattenwurf des Steins war, ob gerade ein Schmetterling 1 Meter darüber schwebte, der Stein beschmutzt war und ein Marienkäfer von Links nach Rechts drüberlief und so weiter. Das man all dies Wissen auf Dauer nicht Speichern kann, bei all den Dingen, die um einen herum sind, dürfte jedem klar sein. Und so filtern viele Hochbegabte ihr Wissen. Manches gerät gleich in Vergessenheit, manches wird registriert aber kann erstmal nicht abgerufen werden und anderes brennt sich ein und wird sofort genutzt. Worauf ich hinaus will: Es ist gerade für Hochbegabte wichtig, dass sie etwas machen, wofür sie eine Leidenschaft haben bzw. entwickeln können. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie nicht lange glücklich im Job sind.

Diese Punkte waren z.B. mir als hochbegabte Erwachsene wichtig bei der Jobsuche:

  • Ich brauche Abwechslung bei meiner Arbeit
  • Die Arbeit muss mich fordern
  • Ich möchte gerne Teil eines Teams sein
  • Etwas im IT Bereich, am liebsten Software oder IT Support oder IT Schulungsbereich
  • Die Bezahlung muss stimmen, ist mir insgesamt aber am Wenigsten wichtig. Der Punkt hat eher was damit zu tun, das ich Bezahlung als Anerkennung meiner Arbeit verstehe.
  • Die Arbeit & das Arbeitsumfeld muss familienfreundlich sein.
  • Gleitzeit
  • Und ganz wichtig, wegen sehr schlechter Erfahrung: kein Ausnutzen meiner Arbeitskraft. Überstunden sehr gerne, aber das Maß darf nicht überschritten werden. Es gab Zeiten, da habe ich so viele Überstunden gemacht, wie festgelegte Arbeitszeit. 70h – 80h Gesamtarbeitszeit die Woche waren da manches Mal an der Tagesordnung.
  • Nicht zu lange Anfahrt (weniger wichtig, spielt eher in dem Punkt Familienfreundlichkeit mit rein)
  • Dafür umso wichtiger: ein kreatives, spritziges und auch gerne mit Ecken & Kanten gespicktes Kollegenteam. Soll heißen: Bitte nicht zu steif =^^=.
  • Ich will mich nicht verbiegen müssen. Anpassen, ja natürlich… aber ich möchte ich bleiben dürfen.
Meine Jobsuche als Hochbegabte - Hochbegabung Erwachsene

Wie ihr seht, habe ich mir doch sehr viele Gedanken im Vorfeld gemacht. Und tatsächlich hat diese Liste dann letztendlich dazu geführt, dass ich nicht viele Bewerbungen geschrieben habe. Aber auf der anderen Seite war meine Auswahl dann so gut, dass ich wirklich bei über 75% meiner Bewerbungen eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen habe. Am Ende hatte ich sogar mehr als eine Zusage, jedoch kristallisierte es sich für mich oft im Vorstellungsgespräch heraus, dass es doch nicht so 100% zu mir passt.

Und das war auch gut so, denn ich bin jetzt bei meinem perfekten Job gelandet. Im Software Bereich, als Teil eines Entwicklungsteams. Und obwohl ich jetzt schon ein paar Monate da bin, kam nicht einen Tag die Frage in mir auf, ob es wirklich das Richtige für mich ist. Es passt wirklich, ohne Fragezeichen. Tatsächlich hat mir diese Arbeitstelle sogar geholfen, meinen Sohn in vielen Dingen besser zu verstehen. Dazu dann aber mehr in meinem nächsten Beitrag zum Thema Hochbegabung.
(Nachtrag 19.02: Den Beitrag findet man jetzt hier .)

Hochbegabung ins Bewerbungsschreiben / Vorstellungsgespräch

Und falls ihr euch jetzt fragt, ob ich über meine Hochbegabung etwas in meinem Bewerbungsschreiben oder meinem Einstellungsgespräch gesagt habe, dann kann ich euch nur sagen: Nein. Hochbegabung wird zu oft einfach noch falsch verstanden und ich wollte mich keiner Erwartungshaltung aussetzen. Hochbegabte können in einem neuen Betätigungsfeld nicht sofort alles per Knopfdruck. Ein hochbegabter Mensch funktioniert nicht wie eine mit Wissen und Fähigkeiten gefütterte Maschine, à la man wirft ihm eine Aufgabe zu und er kann sie abarbeiten. Was aber stimmt: Hochbegabte verstehen meistens Zusammenhänge viel einfacher und sehen Dinge im Ganzen. Denken vielleicht an Dinge, an die andere nicht denken würden. Aber sie sind auf keinen Fall unfehlbare, allwissende Menschen. Und da das aber noch zu oft falsch verstanden wird (und viele einen auch als hochnäsig oder eingebildet abstempeln würden), habe ich nicht das Wort Hochbegabung in meinen Bewerbungen genutzt. Meine Anschreiben waren jedoch alle einzigartig und auf die Stellenausschreibung zugeschnitten. Zudem habe ich immer versucht, meine schnelle Auffassungsgabe und die Fähigkeit zum komplexen Denken hervorzuheben.

Auch bei den Einstellungsgesprächen kam das Thema Hochbegabung nie zu Sprache. Wozu auch? Ich möchte in einem Einstellungsgespräch überzeugen und denke mir:

Wenn die Menschen, die mir gegenüber sitzen, nicht erkennen können, dass ich genau die Richtige für die Stelle bin, dann ist die Stelle auch nicht die Richtige für mich.

Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn euch dieser Beitrag vielleicht einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt eines Hochbegabten gegeben hat oder er im besten Falle sogar dazu führt, vielleicht Vorurteile oder Missgunst abzubauen. Dieser Text spiegelt nur meine eigene Meinung und Erfahrungswerte wieder. Seit nun mehr über 20 Jahre begleitet mich das Thema Hochbegabung und ich bin sehr, sehr vielen hochbegabten Menschen begegnet, Kindern und Erwachsenen. Danke, dass ihr diesen Beitrag bis hierher gelesen habt. Falls euch eine bestimmte Frage zu dem Thema Hochbegabung interessiert, immer her damit :). Ich freue mich.

Achja noch mein Extra, Extra Tipp bzw. meine Bitte an alle von euch: Werdet euch eurer Fähigkeiten bewusst! Denn wenn ihr eure Talente erkannt und definiert habt, könnt ihr sie auch nach Außen viel besser verkaufen. Insbesondere als Hochbegabte zweifelt man ja sehr oft an sich selber, denkt, man ist nicht gut genug. Fehler haben für uns oftmals einen viel anderen Stellenwert. Steht wirklich zu euch und lasst euch nicht beirren. Und in diesem Zusammenhang mit dem Thema Job: setzt euch unbedingt ein Mindestgehalt. Orientiert euch an eurem vorher gezahlten Gehalt, Internetseiten oder Erfahrungswerten von Freunden. Verkauft euch nicht unter Wert (aber überschätzt euch auch nicht ^^:).

Buchempfehlungen – Thema Hochbegabung :

Zu intelligent, um glücklich zu sein?: Was es heißt, hochbegabt zu sein * oder Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung: Ein Ratgeber für Fachpersonen und Betroffene * oder Kluge Köpfe, krumme Wege?: Wie Hochbegabte den passenden Berufsweg finden *

* = Affiliate oder Werbe Link (Links die nicht mit * versehen sind verweisen auf persönliche Webseitenempfehlungen. Dies können auch Webshops etc. sein. Aber ich erhalte in diesem Fall keine Vergütung oder Ähnliches.).

8 thoughts on “Meine Jobsuche als Hochbegabte – Hochbegabung Erwachsene

  1. Danke dafür, ich habe es direkt meinem Freund gezeigt und er hat sich direkt wiedererkannt. Es ist auch schwierig für mich mit seiner Hochbegabung (die er nie wirklich hat dingsfest diagnostizieren lassen, aus Angst vor Andersartigkeit vielleicht) klar zu kommen weil er oft anders reagiert oder denkt als ich….

    1. Vielen Dank für dein liebes Kommentar. Es freut mich sehr, dass auch andere Hochbegabte sich wieder erkennen in meinen Texten. Tatsächlich liest auch meine Familie meine Beiträge hier mit und ist jedesmal ein klein wenig überrascht und verwundert über das ein oder Andere was ich hier schreibe (und das obwohl sie immer offen für das Thema waren… aber manches habe ich vielleicht so bisher auch gar nicht ausgesprochen und formuliert). Ich merke dass ich viel zu wenig über meine Denkweise rede und das dies wahrscheinlich oft zu Komplikationen geführt hat. Und so hilft am Ende auch mir das Schreiben dieser Blogbeiträge dabei, mich besser zu hinterfragen und einzuordnen.

      Liebe Grüße, auch an deinen Freund
      Christiane

  2. Hallo Christiane,
    ich finden Deinen Beitrag einfach großartig, es braucht mehr Menschen auf dieser Welt, die wirklich zu sich stehen. Ich schneide mir von Deinem Mut, sich zu zeigen, eine Scheibe ab.
    Lieben Gruß
    Martin Schreck

    1. Huch :),

      das Kommentar kommt jetzt etwas überraschend, ist aber umso schöner. Vielen lieben Dank Martin.

      Liebe Grüße
      Christiane

  3. Hallo Christiane,
    ich finde deinen Entschluss zu dieser Reihe sehr mutig und freue mich auf deine Beiträge!
    Ich habe von meiner Hochbegabung eher zufällig erfahren und frage mich noch heute, ob die sich nicht geirrt haben. Ich empfinde es oft als eine Last, denn meiner Selbsteinschätzung nach fühle ich mich eher dumm und unfähig…

    Liebe Grüße Manuela

    1. Hallo Manuela,

      schön das du hierher gefunden hast. Mit deiner Selbsteinschätzung bist du aber nicht allein. Viele haben diese Meinung von sich. Liegt wohl auch daran, dass unsere Ansprüche besonders hoch sind und wir gerne den Perfektionismus anstreben. Uns fallen auch viel öfters Fehlverhalten auf, da wir viel analysieren und viel mehr registrieren. Und manches mal startet dann auch gleich ein Kopfkino, was dieser Fehler mit sich bringt. Ich habe über die Jahre versucht mir beizubringen, alles nicht so kritisch zu sehen. Zum größten Teil für meine Kinder. Denn hier wohnt unter anderem ein sehr selbstkritisches Kind und ich versuche ihn zu vermitteln, dass er vieles nicht so schwer nehmen soll.

      Lieben Dank noch einmal für dein Kommentar, ich denke in der nächsten Woche geht der zweite Beitrag online. Eigentlich wollte ich einen Hühnerbeitrag zwischen schieben, da aber noch Dinge die ich dafür brauche auf dem Postweg sind, werde ich wohl einen weiteren Hochbegabungsbeitrag schreiben. Oder Beide :D.
      Ganz liebe Grüße
      Christiane

  4. Du sprichst mir soooo aus der Seele!! Meine Hochbegabung hab ich im Grunde erst mit meinen Kindern erkannt!! Vorher fanden mich viele und ich besonders eher seltsam! Ich denke halt vollkommen anders als die meisten! Danke für diese Worte!!!

    1. Oh Jana, vielen vielen Dank für dein Feedback. Das freut mich besonders und bestärkt mich in meinem Vorhaben, dies Thema wirklich in größeren Rahmen hier anzugehen.

      Ganz liebe Grüße
      Christiane

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